Livereview: Soulfly - Incite - Mesmerised
19. Februar 2009, Fribourg - Fri-Son
By André G.
Allen Reunion-Gerüchten mit seiner Ur-Band Sepultura zum Trotz, stampft Max Cavalera mit seinen Jungs von Soulfly schon seit einigen Jahren rund um den Globus. Die Brasilianer stehen seit je her für harten, groovenden Thrash Metal, der mal mehr, mal weniger mit traditionellen Elementen aus der Heimat des Masterminds vermischt wird. Die Beats und Riffs treiben die Meute jedes Mal zur absoluten Ekstase an. Mit im Gepäck waren Songs des letztjährigen Albums «Conquer», ein paar ältere Schoten sowie natürlich der eine oder andere Classic aus den seligen Sepultura Zeiten. Begleitet wurden Max & Co. von Mesmerised (CH) und Incite (U.S.A).

Mesmerised
Mit etwas Verspätung (der Grund dafür ist beim Headliner nachzulesen) stiegen die Schweizer von Mesmerised als Opener des Abends auf die Bühne. Mit ihrem altgedienten Thrash Metal, der ziemlich stark an Metallica angelehnt ist, rockten sie unbekümmert drauf los. Die Gitarren-Riffs kamen wirklich fett daher und überzeugten durch ihre solide Härte. Albumtechnisch wurde unter anderem Material der letzten Scheibe mit dem Titel «Obnoxiosus» gespielt. Da 2007 erschienen, wäre es wohl mal an der Zeit, dass sich das laute Trio an neues Material heran wagt, denn..., wer rastet, der rostet. Das galt heute Abend aber mit Sicherheit nicht für Felldrescher Martin Bielmann, der seinem Instrument unentwegt Doublebass Salven der gröberen Art entlockte und direkt in die Mägen der Zuschauer abfeuerte. Das Publikum war dann auch sehr angetan von der Darbietung der drei Jungs aus der Gegend um Bulle (Fr) herum und machte begeistert mit. Leider fehlte es etwas am Stageacting der beiden Vertreter an den Saiteninstrumenten, da diese praktisch wie angewurzelt auf ihren Plätzen standen. Auch von der Qualität des Sounds her gab es ein paar Mängel zu verzeichnen. Der Gesang war zeitweise sehr leise und kaum zu hören, während das Drum teilweise ziemlich blechern klang. Nichtsdestotrotz wurden Mesmerised ihrer Rolle als Anheizer gerecht und durften erhobenen Hauptes die Bühne des «Fri-Son» verlassen.

Incite
Die Amis von Incite waren als Zweite an der Reihe und waren gewillt, die vorgewärmten Genickmuskeln der Zuschauer auf Temperatur zu halten. Diese knallten dann auch gleich mit grosser Spielfreude los und machten keine Gefangenen. Das 2005 gegründete US-Quartett aus Phoenix, bestehend aus Luis Marrufo (b), Richie Cavalera (v), Dis (g) und Drummer Zak Sofaly produzierte überaus harte Beats und pumpten ihre Musik roh und laut in die Halle. Vom Sound und Lichtmix her war auch eine klare Steigerung zu erkennen. Der Klang war viel fetter als bei Mesmerised. Die Jungs sind auch vom Stageacting her spürbar professioneller, will heissen der Bewegungsradius war um einiges grösser und auch die Matten kreisten, als ginge es darum, gegen die Hallendecke abzuheben. Die Zuschauer kamen echt in Fahrt und waren auch immer besser drauf. Das Resultat davon waren wilde Circle Pits, die immer wieder zustande kamen. Mit ihrem thrashlastigen Geballere und den teilweise schwer an Death Metal orientierten Vocals, trafen sie jedoch den Nerv der Fans sehr gut. Die Jungs boten einen wirklich satten, guten Gig, der auch mit mitriss. Die gespielten Songs dürften überwiegend vom neuen Album stammen, das im Studio ab dem kommenden Mai in Angriff genommen wird! Das, was auf der offiziellen MySpace Seite zu hören ist, lässt auf jeden Fall aufhorchen und ist für Fans von Machine Head, Testament, Annihilator und Konsorten ein gefundenes Fressen. Und übrigens, Sänger Richie Cavalera ist offensichtlich nicht verwandt mit Chief Max! Hätte aber ja gut sein können.

Soulfly
Nach der Umbaupause wurde die Hallenbeleuchtung herunter gefahren. Die Fans freuten sich bereits, aber irgendwie ging etwa zehn Minuten nichts auf der Bühne. Alle warteten, als Vermutung äussere ich mal, dass sie wohl auf Max warten mussten, bis dann die ersten Musiker die Bühne enterten. Zu sagen ist, dass Max, respektive Soulfly an der Grenze angehalten wurden und eine Durchsuchung des Busses über sich ergehen lassen mussten. Von daher kam die Verspätung und es war anzunehmen, dass Herr Cavalera deswegen wohl auch nicht die beste Laune hatte. Als dieser schliesslich mit seiner grasgrünen Brasil Wappen Gitarre die Bühne enterte, gings endlich los! Das Volk tobte und schrie gleich von Anfang an. Max kam mit einer aufgesetzten Maske, welche nur mit Sehschlitzen versehen war, auf die Bühne. Aber schon bei den ersten Akkorden riss er sich die Kopfbedeckung runter und schrie die Menge an, dass sie Gas geben soll. Ab dann gab es für die Fans wie auch die Band kein Halten mehr und alle moshten und bangten sich die Nacken schlapp. Vom Sound her war leider der Bass leider zu wummernd und ohne Struktur, was das Ganze ziemlich breiig machte. Auch die Gitarren gingen manchmal in dem unglaublich treibend, groovenden Soundtornado des Drums unter. Die Soli von Marc Rizzo und Max wurden dann aber immer wieder klar und deutlich gespielt. Meiner Meinung nach wurden die Darbietungen der einzelnen Musiker etwas zu sehr in die Länge gezogen. Im Mittelteil der Show wurden Snares auf die Bühne gebracht und jeder Musiker schnappte sich ein Paar Drumsticks. Danach gings ab in den brasilianischen Dschungel. Die Jungs duellierten sich und brachten einem schon fast zum Tanzen. Aber bevor man sich im Urwald von Brasilien wähnte, holte einem die Stimme von Max raus und es ging wieder mit voller Brutalität und einem echten Tribal Thrash Gewitter weiter. Mit «Roots Bloody Roots» und «Eye For An Eye», mit denen Soulfly das Set beendeten, wurden nochmals die letzten Kraftreserven der Fans mobilisiert und es wurde gemosht, gebangt und mitgesungen, was das Zeug hielt. Danach verliess der Frontmann die Bühne, die Band spielte noch die letzten Klänge und die nassgeschwitzten Zuschauer wurden in die eisige Nacht entlassen. Alles in allem ein guter Gig von Soulfly. Einziger Wermutstropfen war halt die mangelhafte Soundqualität, die einfach nicht gut genug war. Ich habe die Jungs schon besser gesehen, als in Fribourg.